Mosetter

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In der S3-Leitlinie PTBS

Die aktuelle S3‑Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung / PTBS (7.0) zitiert die Studie von Muth & Bering zur Evaluation der Myoreflextherapie als Teil der Evidenzbasis für adjuvante körperzentrierte Verfahren bei PTBS und Schmerzen.

Federführend herausgegeben von der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) schreibt sie:

Die Leitliniengruppe hat sich dazu entschieden, nur solchen adjuvanten Verfahren eine Empfehlung auf der Grundlage eines klinischen Expert:innenkonsenses auszusprechen, die sich auf eine breit gefächerte klinische Erfahrung in der Therapie und in der Rehabilitation stützen können. Der Einschluss von Sozio- und Physiotherapie ist im multiprofessionellen Setting in der Therapie und Rehabilitation fest verankert.

Die Physiotherapie ist als Sammelbegriff nicht in die Literatursuche eingeflossen. Allerdings werden eine Vielzahl von unterschiedlichen beschriebenen therapeutischen Interventionen von Physiotherapeut:innen im multiprofessionellen Setting durchgeführt, die von der klassischen Physiotherapie bis zu speziellen traumaadaptierten Verfahren reichen [Muth u Bering. Trauma und Schmerz: Evaluation der Myoreflextherapie].“

Die entsprechende S3-Empfehlung beruht dabei nicht auf sog. „Evidenz“, sondern auf einem „Experten-Konsens(Empfehlungsgrad „EK“, Konsensstärke 80 %).

 

„Evidenz“?

Evidenzbasierte Medizin stellt große, standardisierte Studien in den Mittelpunkt und übersieht dabei, dass sie die komplexe Realität einzelner Patienten nur begrenzt widerspiegeln. Ein so verengtes Evidenzverständnis unterschätzt klinische Erfahrung und individuelle Verläufe. Das bringt die Gefahr mit sich, dass wirksame Behandlungswege übersehen werden, nur weil sie nicht in dieses enge Raster passen

Auch die AWMF thematisiert diese Spannung zwischen Individualisierung und Standardisierung: evidenzbasierte Leitlinien können immer nur einen Ausschnitt der Realität abbilden.

Viele komplexe, individualisierte Therapiekonzepte fallen nicht deshalb durchs Evidenz‑Raster, weil sie wirkungslos wären, sondern weil sie für die Logik klassischer randomisierter Studien zu dynamisch und wie zu lebendig sind: Sie bestehen aus mehreren interagierenden Komponenten, reagieren auf Rückmeldungen, verändern sich über die Zeit und hängen stark vom Kontext und der Beziehungsgestaltung ab. – So wie die Myoreflextherapie eben. Ein Evidenzmodell aber, das vor allem klare, stabile Interventionen mit wenigen Variablen und einem primären Endpunkt unter streng kontrollierten Bedingungen akzeptiert, blendet damit systematisch alle Verfahren aus, deren Wirksamkeit gerade in der Mehrschichtigkeit, Anpassungsfähigkeit und der dynamischen Prozessbegleitung individueller Verläufe liegt.

Die Myoreflextherapie ist also ein typisches Beispiel für eine komplexe, individualisierte Methode, die aus genau diesen Gründen kaum in das übliche Evidenz‑Raster passt: Sie arbeitet mehrschichtig an Muskelketten, Haltung, Bewegung, vegetativer Regulation und Schmerzverarbeitung und wird kontinuierlich an den jeweiligen Befund und Verlauf angepasst. Gerade weil sie dynamisch auf Rückmeldungen des Patienten reagiert und somatische, funktionelle und biografische Faktoren in einem Prozess integriert, lässt sie sich kaum in starre, eindimensionale Standardprotokolle überführen – und wird dadurch methodisch benachteiligt, obwohl ihr Ansatz gerade auf die reale Komplexität chronischer Beschwerden zielt.

 

„Expertenkonsens“

Offizielle „Leitlinien“ beruhen vor allem auf Studien mit großen Fallzahlen und standardisierten Settings; sie bilden damit Mittelwerte und typische Verläufe ab, aber gerade nicht die Vielfalt und Vielschichtigkeit individueller Situationen und Behandlungs-Verläufe sowie die Bedürfnisse und die Biografien einzelner Patienten.

In komplexen oder seltenen Konstellationen fehlen sehr oft belastbare große Datenmengen, sodass die klinische Erfahrung und das strukturierte Urteil von Experten entscheidend werden, um verantwortliche Handlungsempfehlungen abzuleiten. In solchen Fällen kann und muss ein Expertenkonsens (Empfehlungsgrad EK) also eine tragfähige Empfehlung formulieren, die den individuellen und komplexen Kontext ernst nimmt und die Lücke zwischen großer Studienlage und Versorgungspraxis schließt: So also die Erwähnung der Studie von Muth & Bering zur Myoreflextherapie: 

 

Sehr gute, signifikante Ergebnisse

Muth & Bering „untersuchten 30 stationäre PTBS‑Patient:innen, bei denen eine Mehrdimensionale Psychodynamische Traumatherapie (MPTT) nach Fischer durch Myoreflextherapie nach Mosetter ergänzt wurde.“ Es zeigte sich:

Die evidenzbasierte Medizin arbeitet gewissermaßen mit einem grobmaschigen Netz: Es fängt vor allem die großen, leicht messbaren „Fische“ der Standardstudien ein und übersieht dabei vieles, was kleiner, komplexer und schwerer zu greifen ist. Wer nur auf das schaut, was in diesem Netz hängen bleibt, wird die feinen, aber für einzelne Patienten entscheidenden Behandlungswege übersehen, weil sie durch die Maschen rutschen.

 

Nosologie vs. Ätiologie

Eine weitere methodische Kritik (z.B. der DFG) an der evidenzbasierten Medizin lautet, dass ihre Standards für viele Patientengruppen bzw. für seltene Erkrankungen, Ko- und Multimorbiditäten schlichtweg nicht erfüllbar sind. Auch dadurch müssen ganze Bereiche „evidenzarm“ erscheinen, obwohl klinisch relevante, praktische Erfahrungen vorliegen.

Aber: diese Kritik muss grundsätzlicherer ausfallen: Viele Krankheitsbilder sind keine festen, klar abgegrenzten Entitäten (fixe Dinge; wie Kieselsteine) und feste Nosologien; sondern dynamische Muster aus Symptomen, Kontexten und Ursachen: Krankheits-Geschichten (Ätiologien), die sich von Patient zu Patient deutlich unterscheiden. In dem Maß, in dem Diagnosen mehrschichtig und ursachenorientiert betrachtet werden müssen – mit biologischen, psychischen und sozialen Einflussfaktoren – wird die Erwartung der einen stabilen Evidenz für die Krankheit methodisch fragwürdig. Für solche beweglichen, heterogenen Konstellationen lässt sich eine uniforme Standard‑Evidenz kaum sinnvoll herstellen, ohne genau die Komplexität zu beseitigen, die für ein tiefes Verstehen und einen hilfreichen Behandlungsweg eigentlich entscheidend ist.

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Weitere Studien

 

Was ist das Besondere & Spezifische an der Myoreflextherapie? Was unterscheidet sie von anderen manuellen Verfahren? Und wie sehen weitere Studien-Ergebnisse dazu aus?

> Steckbrief & Studien

 

Eine Zusammenfassung

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… und so also:

„Es ist wichtiger zu wissen, welche Person eine Krankheit hat, als zu wissen, welche Krankheit eine Person hat.“

(Hippokrates)

 

„Die evidenzbasierte Medizin hat Vorteile gebracht, aber auch viele unbeabsichtigte negative Folgen. Sie braucht eine Erneuerung, die den Blick wieder auf nutzbare Evidenz lenkt, die mit Kontext und fachlicher Erfahrung verbunden wird, damit der einzelne Patient wirklich optimal behandelt werden kann.“

(Trisha Greenhalgh)

 

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Quellen: 

 

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