Veränderungen der Wirbelsäule sind nicht in Stein gemeißelt. Skoliosen sind in erster Linie neuromuskulär bedingt – ganz im Sinne von „form follows function“. Sie entstehen wesentlich in Abhängigkeit von der Stellung der Kopfgelenke bei muskelinduzierten Symmetriestörungen, aber auch durch funktionelle Dysbalancen im Bereich des Iliosakralgelenks.
Vor diesem Hintergrund gelten ähnliche Grundprinzipien wie bei Rücken- und Gelenkschmerzen. Daraus ergeben sich vielfältige therapeutische Möglichkeiten: Skoliosen lassen sich häufig sehr gut über Myoreflextherapie, aber auch osteopathische Verfahren beeinflussen – insbesondere dann, wenn funktionelle Ursachen im Vordergrund stehen.
Tiefere Einsichten und funktionelle Zusammenhänge
In den allermeisten Fällen sind Skoliosen die Folge asymmetrisch wirkender Muskel-, Sehnen- und Faszienzüge. Besteht beispielsweise ein leichter Rotationszug aus der oberen Halswirbelsäule, muss dieser durch andere Muskelgruppen kompensiert werden. Im Dienste der Gesamtstatik entwickelt sich dann häufig eine gegenläufige Ausgleichsbewegung in der Lendenwirbelsäule.
Die einzelnen Wirbelkörper und Gelenke sind dabei selten die primäre Ursache. Form, Struktur und Position der Knochen sind vielmehr Ausdruck der einwirkenden muskulär-faszialen Kräfte.
Bereits pränatal – etwa durch Lagebedingungen im Mutterleib oder durch Geburtseinflüsse – können muskelinduzierte Symmetriestörungen in den Kopfgelenken entstehen. Diese setzen sich als Rotations- und Gegenrotationsmuster über die gesamte Wirbelsäule bis ins Becken fort. Umgekehrt können auch Traumata, Stürze oder einseitige Belastungen im Bereich der unteren Extremitäten und des Beckens aufsteigende Anpassungsreaktionen bis in den Schädel bewirken.
Entscheidend ist: Funktionelle Ungleichgewichte bestimmen die knöcherne Stellung – nicht umgekehrt.
Ein anschauliches Bild liefert die Pferdekutsche: Der Kutscher lenkt über die Zügel die Richtung der Pferde. Entsprechend dieser Zugrichtungen richtet sich die Deichsel aus. Die Kutsche selbst hat kaum Einfluss auf die Bewegung. Übertragen bedeutet das: Die muskulär-faszialen Zugsysteme bestimmen die Statik – nicht die passiven Strukturen.
Myoreflex-Therapeutisch:
Im unserem neuromuskulären und myofaszialen Behandlungskonzept spielt die Region des „inneren GPS“ (obere Halswirbelsäule) eine zentrale Rolle. Ebenso entscheidend ist die funktionelle Balance im Becken ..
Je nach individueller Entwicklungsgeschichte der Skoliose werden im Myoreflexkonzept gezielt myofasziale Ketten behandelt. Ergänzend erfolgt eine aktive Stabilisierung und Integration über spezifische Übungsprogramme (z. B. KiD – koordinative individuelle Übungen), um die neu gewonnene Funktion langfristig zu sichern.
Biochemische und ernährungsmedizinische Möglichkeiten:
Eine erfolgreiche Therapie sollte immer auch die biochemischen Voraussetzungen berücksichtigen. Als Basis empfiehlt sich ein antientzündlich ausgerichtetes Ernährungskonzept nach Glycoplan, insbesondere bei Kindern.
Zudem ist eine gezielte Mikronährstoffversorgung essenziell für den Aufbau und die Regeneration von Bindegewebe und Knochen:
– Omega-3-Fettsäuren
– Aminosäuren und hochwertige Proteine
– Mineralstoffe: Calcium, Magnesium, Selen, Zink, Mangan, Eisen
– Vitamine: D3/K2, Vitamin C, B-Vitamine
– Monosaccharide (z. B. Mannose, Galactose) als Bausteine für Kollagene, Glykosaminoglykane und Proteoglykane
– Prä- und Probiotika zur Stabilisierung der Darm-Muskel-Knochen-Achse