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Multi-Target-Strategien aus Ayurveda und tibetischer Medizin im Licht moderner Glykobiologie

Multi-Target-Strategien beschreiben Konzepte, bei denen Arzneistoffe gleichzeitig auf verschiedene Bereiche im Organismus wirken, statt sich auf ein einziges Organ oder einen isolierten biochemischen Prozess zu beschränken. Vor allem bei der Behandlung vielschichtiger Krankheitsbilder mit mehreren pathophysiologischen Komponenten ist ein mehrdimensionales Denken und Arbeiten sinnvoll.

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Ayurveda und tibetische Medizin

 

Erfahrungsmedizin Ayurveda und tibetische Medizin – die molekularbiologisch-biochemische Analyse möglicher Wirksubstanzen.

Zwei Exponenten der asiatischen Medizin, die diese Strategie verfolgten und mich in den Jahren 1988 bis 1997 lehrten, waren der Ayurveda-Arzt Dr. B. Mana in Kathmandu sowie die Ärzte der tibetischen Medizin Dr. Yeshe Donden und Dr. Barry Clark.

Im Zentrum ihrer Strategie standen die Ernährung mit natürlichen, zuckerfreien Nahrungsmitteln und der Darm als Tor zur Gesundheit. Darauf aufbauend flankierte ein breites Spektrum individuell und personalisiert verordneter naturheilkundlicher Kräuter, Mineralien und Phytopharmaka eine erfolgreiche Therapie.

Überraschend war, wie eindrücklich diese Naturpharmaka bei chronischen Zivilisationserkrankungen wirkten. Stets wurden Mischungen unterschiedlicher Substanzen verwendet, um über die Aktivierung des Gesunden die Selbstheilungskräfte zu stärken. Mehrere natürliche Wirkstoffe in niedriger Dosierung – ohne nennenswerte Nebenwirkungen – sollten bessere Heilergebnisse erzielen als hochdosierte, hochpotente synthetische Pharmaka, die lediglich oberflächliche Symptome komplexer Homöostasestörungen behandeln.

Die Grundelemente dieser biologischen Multi-Target-Herangehensweisen lassen sich in der biochemischen Übersetzung in die westliche Medizin übertragen.

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„Von einem zu Vielem”

Eine einzelne Substanzklasse an einem einzigen Bindeort erscheint innerhalb multikomplexer physiologischer und biochemischer Stoffwechselkaskaden als unzureichend. Denn Natursubstanzen zeichnen sich durch Multi-Target-Wirkmechanismen aus. Sie wirken nicht nur über die Substratmenge, sondern über induktive Signalketten.

Die in der Evolution begründete Ähnlichkeit der Oberflächenstrukturen von Glykanen interagiert mit den Oberflächen-Antennen menschlicher Zellen (Glykomik). Die Sequenz der Monosaccharide an Glykoproteinen, Glykolipiden und Proteoglykanen bestimmt dabei das Binde- und Kontaktverhalten und kann als „dritter Code des Lebens” verstanden werden. Sie findet ihre Entsprechung in den Oberflächenstrukturen von Natursubstanzen wie Heidelbeeren, Goji-Beeren, Preiselbeeren, Myrobalanen, Arabinogalaktanen, Reishi und Cordyceps.

Nicht eine Substanz an einer Stelle, sondern mehrere Natursubstanzen in niedrigen Dosierungen an mehreren Zielensind hochwirksam. Die spezifische Kombination und das Mischverhältnis von Natursubstanzen sowie das biologische Verhältnis von Monosacchariden und Mineralstoffen (Mg, Se, Zn) optimieren die Wirkspektren.

Die physiologische Wirkung beginnt im Mund sowie an den Schleimhäuten von Magen, Dünndarm und Dickdarm. In diesen Milieus finden grundlegende Interaktionen mit Immunsystem und Stoffwechsel statt.

Viele Natursubstanzen entfalten präbiotische Effekte und interagieren regulativ mit dem Stoffwechsel der Darmbakterien. Die Interaktion mit gastrointestinalen Peptiden wie GLP-1, Tryptophan oder GABA bewirkt cross-modale Fernwirkungen über die Darm-Leber-Gehirn-Achse.

Die Mehrzahl der Natursubstanzen entfaltet regulative Effekte über die Leber auf den Zuckerstoffwechsel. Bereits verhältnismäßig kleine Mengen an Galactose lösen Impulse und induktive Effekte für die Homöostase der Darm-Stoffwechsel-Gehirn-Achse zur Regulation des Zuckerstoffwechsels aus.

Neben antioxidativen, antientzündlichen und antidiabetogenen Wirkungen sind DNA-Reparaturmechanismen und epigenetische Regulationen zu erwarten.

Die Produkte sollten den natürlichen Verhältnissen entsprechend gemischt, nachgebaut und aufbereitet werden.

Gesundheit entsteht nicht an einem isolierten Zielmolekül, sondern im orchestrierten Zusammenspiel von Darm, Stoffwechsel, Faszie und Gehirn.

Die optimalen Wirkorte, Resorption, Bioverfügbarkeit und ausreichende Wirkspiegel ermöglichen dabei die Strategie, mit niedrigen Dosierungen große Wirkungen bei geringem Nebenwirkungsspektrum zu erzielen.

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Naturstoffe

Wichtige, ja klassische Naturstoffe und Pflanzen mit besonderem phytopharmakologischem Profil sollen im Folgenden hervorgehoben werden:

Myrobalane

Eine besondere Qualität der Myrobalane liegt in ihren zuckerstoffwechsel-regulierenden Mono- und Oligosacchariden. Dazu zählen je nach Quelle Arabinogalaktane, D-Galactose, D-Galactosyl-, D-Galacturonsäure, D-Fructose, Mannitol, D-Mannosyl-, L-Rhamnosyl-, D-Xylosyl- und D-Arabinosyl-Reste, Myo-Inositol sowie Saccharose.

Weitere bioaktive Bestandteile sind Cebulinsäure, Chinasäure, Shikimisäure, Gallussäure, Ellagsäure, Procyanidine, Phyllembin, Lupeol, Oleanolsäure, Indolessigsäure, Leuco-Delphinidin, Polyphenole, Quercetin, Tannine, Terchebin, Corialgin, Alkaloide, Phyllantidin, Phyllantin, Kaempferol, Nikotinsäure, Riboflavin, Vitamin C, Vitamin E sowie Fettsäuren.

Reishi

Als „König der Heilpflanzen” ist der Reishi-Pilz (Ganoderma lucidum) in allen alten erfahrungsmedizinischen Traditionen gut bekannt. Über einen Direktimport aus Nepal konnte die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Werner Reutter und seine chinesische Mitarbeiterin Prof. Dr. med. Hua Fan bereits 1992 die ersten Polysaccharide, einzelne Monosaccharide und bioaktive Proteoglykane entschlüsseln.

Im weiteren Verlauf wurden β-Glucane, α-Glucane, Nukleosidantagonisten, Terpenoide, Sesquiterpene und Lanostanoide identifiziert. Hinzu kommen Polysaccharide, Oligosaccharide, die Monosaccharide Mannose und Galactose, Phenole, Mineralstoffe (Selen, Zink, Magnesium, Eisen, Kupfer, Jod), Aminosäuren sowie Triterpenoide.

Preiselbeere

Die Kraft der Preiselbeere ist mit jener der Goji-Beere verwandt. Proanthocyanidine und ihre Pigmente, Flavonoide, Polyphenole und Pantothensäure werden durch Mannose und Galactose flankiert; ergänzt um die Mineralstoffe Magnesium, Kalium und Phosphor sowie die Vitamine A, B1, B2, B3 und C.

Die Anthocyanidin-Komponenten verteilen sich zu rund 80 % auf Cyanidin-3-Galactoside und zu jeweils etwa 10 % auf Cyanidin-3-Arabinoside und Cyanidin-3-Glucoside. Hinzu kommen Quercetin-Glycoside wie Quercetin-3-O-Galactoside, Quercetin-Rutinoside, Quercetin-Pentoside, Quercetin-3-O-Rhamnoside sowie Quercetin-3-O-(4″-(3-hydroxy-3-methylglutaryl))-α-rhamnoside. Auch Kaempferol-Glycoside, Ferulasäure, Cumarsäure, Caffeoylchinasäure, Catechin und Epicatechin sind nachweisbar.

Heidelbeere

Heidelbeeren enthalten reichlich Anthocyane – violette Pflanzenfarbstoffe aus der Gruppe der Polyphenole, die im Körper stark antioxidativ und entzündungshemmend wirken. Schon kleine Mengen – etwa eine kleine Handvoll pro Tag – werden mit einem besseren Herz-Kreislauf-Profil, einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes und weniger Übergewicht in Verbindung gebracht. Regelmäßiger Verzehr kann Blutdruck und Gefäßfunktion verbessern und ungünstige Blutfette sowie Entzündungswerte senken, besonders bei Personen mit erhöhtem Risiko.

Auf den Zuckerstoffwechsel wirken Heidelbeeren, indem sie die Insulinsensitivität steigern und Entzündungen im Stoffwechselgewebe reduzieren. Menschen, die häufig anthocyanreiche Beeren essen, erkranken seltener an Typ-2-Diabetes. In Tiermodellen bremsen Heidelbeeren die negative Wirkung einer fettreichen Ernährung, vermindern Gewichtszunahme, Insulinresistenz und stille Entzündung und unterstützen eine günstigere Darmflora.

Auch das Gehirn profitiert: Bei älteren Menschen schreitet der kognitive Abbau langsamer voran, wenn regelmäßig Beeren gegessen werden, und Gedächtnis sowie Denkflexibilität verbessern sich messbar. Kurzfristig können Heidelbeeren Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung sogar bei Kindern messbar steigern. Im Nervensystem fördern sie die Plastizität von Nervenzellen, regen die Neurogenese an, stärken neurotrophe Faktoren wie BDNF und dämpfen oxidativen sowie entzündlichen Stress im Gehirn.

Für die Augen weisen vor allem Labor- und Tierdaten darauf hin, dass die Farbstoffe der Heidelbeere Netzhaut und Sehnerv vor Licht-, Druck- und Entzündungsschäden schützen können. Sie stärken antioxidative Schutzsysteme, unterstützen die Durchblutung und können krankhafte Gefäßneubildungen abschwächen. Erste klinische Beobachtungen deuten darauf hin, dass konzentrierte Beerenextrakte Kontrastsehen, Augeninnendruck und Mikrozirkulation bei bestimmten Augenerkrankungen günstig beeinflussen können.

Beeren, Polyphenole und Galactose sind Bausteine der Glycoplan-Ernährung: Sie stabilisieren Mitochondrien, beruhigen stille Entzündungen und stärken die Faszien-Synthese.

Astragalus membranaceus – ein Alleskönner

Diese Wurzel besteht aus polymeren Sacchariden. Die einzelnen Monosaccharide sind überwiegend über α-glykosidische Bindungen zu Glykokonjugaten verknüpft. Im Verhältnis 18 : 18 : 1 : 1 finden sich L-Arabinose, D-Galactose, D-Galacturonsäure und D-Glucuronsäure mit kleinen O-Acetyl-Gruppen und Peptiden.

Das Spektrum umfasst zusätzlich D-Ribose, D-Mannose, D-Xylose, Rhamnose, Amylaceum und Seminose. Als sekundäre Pflanzenstoffe treten Flavonoide, Saponine und Alkaloide hinzu. Die wirksamen Komponenten aus der Familie der Flavone sind unter anderem Formononetin und 7-Hydroxy-4′-methoxyisoflavon.

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Moderne Untersuchungen

An erster Stelle der Untersuchungen standen die Mineralstoffe Magnesium, Zink und Selen. Tatsächlich offenbarten sich bei vielen Patientinnen und Patienten bereits 1990 ausgeprägte Unterversorgungen und Mangelzustände dieser Mineralien. Ebenso ergaben sich Hinweise auf die Bedeutung zentraler Wirkungen von Vitamin E, Vitamin D und den B-Vitaminen für Energie- und Immunstoffwechsel.

Entsprechende Untersuchungen sowie ein Monitoring bestätigten die klinische Relevanz. Die orale Gabe der Mikronährstoffe in Kombination mit Galactose zeigte eindrückliche Ergebnisse. Auf dieser Grundlage wurden die Patentschriften erstmals im Jahr 2002 verfasst.

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Galactose – Kasuistiken aus den Patentschriften

Entsprechende Untersuchungen sowie ein Monitoring bestätigten die klinische Relevanz. Die orale Gabe der Mikronährstoffe in Kombination mit Galactose zeigte eindrückliche Ergebnisse. Auf diesen Erfahrungen wurden die Grundlagen für Patentschriften erstmals im Jahr 2002 verfasst.

In diesen Patentschriften werden eindrückliche Behandlungsbeispiele dokumentiert, die die klinische Wirksamkeit von Galactose – allein oder in Kombination mit Vitamin E und Selen – belegen.

Die Beispiele betreffen zum einen die erfindungsgemäße pharmazeutische Zusammensetzung (Galactose plus Vitamin E und Selen). Sie umfassen Patientinnen und Patienten mit:

In allen Fällen wurden bereits nach wenigen Tagen deutliche, teils vollständige Symptomverbesserungen beobachtet.

Weitere Beispiele dokumentieren die Wirkung von Galactose als Einzelsubstanz:

Als gemeinsamer Wirkmechanismus wird die insulinunabhängige zelluläre Aufnahme von Galactose und die daraus folgende Reorganisation des Glykoprotein-Stoffwechsels der Plasmamembran diskutiert. Über diese Modulation greift die Substanz regulierend in Stress-, Energie- und Neurotransmitterstoffwechsel ein. Die Reproduzierbarkeit und das breite Indikationsspektrum waren Grundlage mehrerer Patentanmeldungen.

Galactose ist der insulinunabhängige Energielieferant für Gehirn, Faszie und Muskel. Sie greift dort, wo Glucose nicht mehr ankommt – bei Insulinresistenz, Erschöpfung, neurodegenerativen Prozessen. In der Glycoplan-Ernährung ersetzt Galactose den Haushaltszucker und unterstützt die Leber-Gehirn-Achse.

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Selen & Co

Im Jahr 2024 haben sich viele frühere Hypothesen mehr als bestätigt. Etliche Wirkspektren reichen weit über die ursprünglichen Erwartungen hinaus. Das Potenzial, das vorhandene Wissen in „neue Produkte”, fein abgestimmte Kombinationen und optimierte Technologien zur Resorption und Bioverfügbarkeit zu überführen, ist groß.

Besonders die Kombination mit Selen, Selensalzen und Selenoproteinen verdient hier eine eingehende Betrachtung. Selen, Selenoproteine sowie selenabhängige Signalkaskaden sind im Organismus über mehrere Mechanismen zentral mit der physiologischen Homöostase, dem antioxidativen Schutzorchester sowie zellulären, epigenetischen und DNA-Reparaturprozessen verwoben.

Umgekehrt begünstigt ein Selenmangel das Auftreten nahezu aller Zivilisationserkrankungen. Große Studien zeigen, dass Selenmangel das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen, endokrinologischen, metabolischen, psychiatrischen und Autoimmunerkrankungen mitverursacht und gleichzeitig die all-cause mortality erhöht.

Selen wirkt nicht solo, sondern im Verbund mit Galactose, Vitamin E, Magnesium und Zink.

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Myrobalan & Triphala

Der Kreis schließt sich mit dem Wissen, der Erfahrung und den Forschungsergebnissen von Prof. Dr. Florian Überall.

Drei Myrobalane bilden gemeinsam das Triphala:

Sanskrit Botanischer Name andere Bezeichnung
Amalaki Phyllanthus emblica (syn. Emblica officinalis) Emblica-Myrobalane / Indische Steinfrucht / Amla
Haritaki Terminalia chebula Chebula-Myrobalane
Bibhitaki Terminalia bellirica Bellirica-Myrobalane

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Die Kombination im Verhältnis 1 : 1 : 1 ist im indo-asiatischen Raum bereits seit rund 3 000 Jahren als Pflanzenarznei bekannt. Sowohl im Ayurveda Indiens als auch in der tibetischen Medizin gilt sie als Basisformulierung für zahlreiche Stoffwechselerkrankungen. Da die Myrobalanen sanft aufeinander abgestimmt wirken, können sie über lange Zeiträume problemlos eingenommen werden.

Sie fördern eine tiefgreifende Zellentgiftung, regulieren den Fett- und Cholesterinstoffwechsel und unterstützen die Leberreinigung. Nach tibetischer Medizinauffassung enthalten die Myrobalanen alle sechs Geschmacksrichtungen, acht Potenzen, drei post-digestive Geschmacksempfindungen (Geschmacksänderung nach der Verdauung) und siebzehn Qualitäten. Der Überlieferung nach heilen Myrobalanen alle Krankheiten und besitzen eine starke universelle Impulskraft sowie eine ausgeprägte impulslenkende Wirkung auf andere Rezepturbestandteile.

 

Chebula-Myrobalane (Terminalia chebula)

Die indische Steinfrucht gehört zur Familie der Combretaceae (Flügelsamengewächse). Es handelt sich um einen immergrünen Baum von bis zu 20 m Höhe mit einförmigen Blättern, weißen Blüten in endständigen Trauben und fünfgliedrigen Früchten. Die Chebula-Myrobalane wächst im Iran, in Pakistan, China, Malaysia und Indien. Die Früchte werden reif geerntet und teils in Handarbeit entkernt.

Die Frucht enthält Anthrachinone, Gerbstoffe, Chebulasäure, Phytosterine, Harze und zahlreiche fette Öle. Sie wirkt immunmodulierend, leicht laxativ, adstringierend und reguliert die Stuhlentleerung sanft, ohne den Enddarm zu reizen. Gemeinsam mit Medizinalrhabarber (Rheum palmatum) hat die Chebula-Myrobalane eine jahrhundertelange Tradition in der Behandlung von Ruhr und Durchfallerkrankungen in Asien.

Sie mildert eine Übersäuerung des Magens und lindert wirkungsvoll Reflux und Sodbrennen – Beschwerden, die auf eine metabolische Entgleisung hinweisen und häufig mit chronischem Wassermangel einhergehen. Zusätzlich wirkt die Chebula-Myrobalane antimikrobiell (z. B. gegen Streptococcus mutans, einen Hauptverursacher von Karies), strafft das Zahnfleisch, bekämpft die Keimbelastung in der Zahntasche und entfaltet antioxidative und entzündungshemmende Effekte (etwa gegen Parodontitis). Zahlreiche Belege weisen außerdem auf eine Unterstützung der Wundheilung, eine Verbesserung peripherer Durchblutungsstörungen und eine Leberentgiftung hin.

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Bellirica-Myrobalane (Terminalia bellirica)

Auch die Bellirica-Myrobalane gehört zur Familie der Combretaceae. Sie ist ein immergrüner Baum mit büschelständigen, ovalen Blättern und braunen, gefurchten Früchten und wächst bevorzugt in Indien, Malaysia und auf den Philippinen.

Sie ist reich an Gerbstoffen und Anthrachinonen. Neben ihrer Verwendung als Adstringens stärkt sie die Verdauung, unterstützt den Körper bei der Bekämpfung von Atemwegsbeschwerden und gleicht Immundefekte aus. Außerdem ist die Bellirica-Myrobalane bekannt zur Behandlung von Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen (schleimlösend). Im Zusammenspiel mit Chebula- und Emblica-Myrobalane entsteht eine ausgeprägte Impulskraft gegen vielfältige Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, Zyklusbeschwerden, Adipositas und Diabetes.

 

Emblica-Myrobalane (Phyllanthus emblica, Amla)

Die Emblica-Myrobalane ist ein Baum aus der Familie der Phyllanthaceae (zuvor Euphorbiaceae). Der mittelgroße, laubabwerfende Baum trägt zweizeilig gefiederte Blätter, grüngelbe Blüten und hellgelbe Früchte mit dunklen Flecken und vertikalen Furchen. Der Geschmack ist sauer-adstringierend mit einem feinen, süßen Nachklang. Der Baum wächst in tropischen und subtropischen Teilen Indiens, besonders in Bihar, Odisha, West-Bengalen und Karnataka.

Amla ist außerordentlich reich an Vitamin C. Daneben enthält die Frucht Nikotinsäure, Riboflavin, D-Glucose, D-Fructose, Oligosaccharide (D-Arabinosyl-, D-Xylosyl-, L-Rhamnosyl-, D-Glucosyl-, D-Mannosyl-, D-Galactosyl-Reste), Myo-Inositol, lösliche Pektine, D-Galacturonsäure, Schleimstoffe, Indolessigsäure, Phyllembin, Ellagsäure, Procyanidin, Lupeol, Oleanolsäure, Leuco-Delphinidin, Tannine, Polyphenole, Terchebin, Corialgin, Alkaloide (Phyllantidin, Phyllantin) sowie Fettsäuren.

Emblica-Früchte sind adstringierend, kühlend, schmerzlindernd, blähungstreibend, verdauungsfördernd und magenstärkend. Sie wirken zudem leicht abführend, entwässernd und fiebersenkend. Die traditionelle Verwendung reicht von Anämie bis zur Zuckerkrankheit. In ayurvedischen Rezepturen werden Amla-Früchte bei Asthma, Augenentzündungen, Blähungen, Magen-Darm-Störungen, Leberleiden und Gelbsucht eingesetzt.

Neuere Literatur belegt vielfältige Indikationen: Senkung der Blutfette, blutzuckersenkende und antiarteriosklerotische Effekte, Hemmung des Tumorwachstums sowie antivirale Wirkungen. Diese Befunde haben das wissenschaftliche Interesse an der molekularen Aufklärung deutlich befeuert. Eine PubMed-Abfrage erbrachte bereits im August 2012 über 200 Treffer.

Eine vielzitierte Übersichtsarbeit von Baliga und D’Souza (2011) – „Amla (Emblica officinalis Gaertn.), a wonder berry in the treatment and prevention of cancer” – fasst die bis dahin bekannten Eigenschaften umfassend zusammen.

Klinische Studien wurden zur Behandlung von Zwölffingerdarmgeschwüren, Magenschleimhautentzündung, Vitiligo, Hämorrhoiden und Diabetes mellitus Typ 2 durchgeführt. Im ayurvedisch-tibetischen Verständnis sind die drei Myrobalanen im Zusammenspiel die Impulsfrüchte par excellence und eignen sich hervorragend zur Impulslenkung anderer Rezepturbestandteile.

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Cordyceps

Der Chinesische Raupenpilz stammt ursprünglich aus den Gebirgslandschaften zwischen 3 000 und 5 000 Metern Höhe in Yunnan, Qinghai, einigen Regionen Mittel- und Nordchinas sowie in Tibet und Nepal. Cordyceps ist ein Parasit, der auf der seltenen tibetischen Raupe Lepidoptera moth wächst, bis diese stirbt. Anschließend keimt der Pilz aus dem Kopf der toten Raupe.

Die pharmakologisch wirksamen Bestandteile sind möglicherweise noch nicht vollständig identifiziert. Bekannt sind unter anderem Cordycepin (3′-Desoxyadenosin) und Mannitol. Cordyceps gilt als eines der außergewöhnlichsten Mittel der traditionellen chinesischen Heilkunde und wird besonders als kräftigendes Tonikum eingesetzt: Er stärkt den Nierenmeridian (Jin-Energie) und den Lungenmeridian (Qi – die essenzielle Lebensenergie). Der süßlich schmeckende Pilz wird ferner zur Stärkung von Immunsystem und Fortpflanzungsfähigkeit verwendet.

In früheren Jahrhunderten war Cordyceps eine kostbare Seltenheit, in der chinesischen Ming-Dynastie sogar teurer als Silber, und blieb daher Kaisern und Adligen vorbehalten. Heute wird der Pilz auf künstlichen Substraten kultiviert. Cordyceps stärkt nicht nur die Nieren, sondern bekämpft auch Verschleimung und Husten. Belegt sind außerdem antikanzerogene, antiasthmatische, die Nebennieren anregende und antibakteriell-beruhigende Wirkungen. Bei regelmäßiger Einnahme lindert er Asthma und verbessert die sportliche Leistungsfähigkeit.

In China existieren zahlreiche wissenschaftliche Studien zu Cordyceps. Tierstudien zeigen, dass Cordyceps als Futterbeimischung das Verhältnis von Adenosintriphosphat (ATP) zu anorganischem Phosphat in der Leber um etwa 45–55 % anhebt – ein Effekt, der sich positiv auf das körperliche Energieniveau und die Leistungsfähigkeit auswirkt.

Bei Mäusen, die Cordyceps erhielten und gleichzeitig einer hypoxischen Umgebung ausgesetzt waren, wurde eine um 30–50 % verbesserte Sauerstoffnutzung beobachtet. Sie tolerierten Acidose und hypoxische Zustände deutlich besser; ihre Lebensdauer verlängerte sich um den Faktor 2 bis 3. In einer weiteren Studie verlängerte Cordyceps die Schwimmzeit von Mäusen bis zur Erschöpfung von 75 auf 90 Minuten.

In einer Reihe chinesischer klinischer Studien – vornehmlich zu älteren Patientinnen und Patienten mit Müdigkeitssyndrom – wurden signifikante Verbesserungen von Wachheitsgrad, Kältetoleranz, Gedächtnis, Wahrnehmungsfähigkeit und Sexualleben dokumentiert. Auch Patienten mit Atemwegserkrankungen berichteten über deutliche Besserung. Die Wirksamkeit bei Müdigkeitssyndrom älterer Menschen wurde übereinstimmend mit 80–90 %angegeben.

Ergänzend zur Energiesteigerung – wahrscheinlich vermittelt durch den hohen Adenosin-Gehalt – kann der Pilzextrakt (zumindest bei Mäusen) auch hormonähnliche Reaktionen auslösen, was den in mehreren Studien beobachteten Libido-Zuwachs bei älteren Menschen erklären könnte.

Beim Jahrestreffen des American College of Sports Medicine 1999 wurde eine kleine Studie vorgestellt, die zeigte, dass ein auf Cordyceps-Extrakten basierendes Nahrungsergänzungsmittel signifikante Zuwächse der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO₂max) ermöglicht. Auch die anaerobe Schwelle stieg deutlich an, was zu verbesserter Leistungskapazität und Müdigkeitsresistenz führt: Sowohl der Ermüdungszeitpunkt wurde aufgeschoben als auch die Erholungszeit nach körperlicher Belastung verkürzt. Darüber hinaus belegt sind die antioxidative Wirkung  und die Verlangsamung von Alterungsprozessen.

Mehrere Studien belegen zudem die antitumorale Wirkung; eine Untersuchung legt nahe, dass Cordyceps die Entstehung von Lungen- und Lebermetastasen verhindern kann. Außerdem stabilisiert er den Blutzuckerspiegel und könnte dadurch für Diabetiker nützlich sein.

Cordyceps stärkt Mitochondrien, ATP-Haushalt und Sauerstoffnutzung – jene Drehscheiben des Energiestoffwechsels, die in der Glycoplan-Logik im Zentrum stehen.

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Gelber Ingwer / Kurkuma

Die Gelbwurz (Curcuma longa) ist ein Ingwergewächs (Familie Zingiberaceae) und hat als Bestandteil des Curry-Gewürzes Weltruhm erlangt. Wild wachsend findet man sie in Indonesien (z. B. auf Java) und in Sri Lanka. Als Kulturpflanze wird sie in den tropischen Teilen Asiens und Afrikas angebaut. Naturheilkundlich genutzt wird das knollige Rhizom, das sich unterirdisch teilt und so zur Vermehrung beiträgt. Als „indischer Safran” ersetzt die Gelbwurz häufig den teuren echten Safran.

Gestützt durch zahlreiche Publikationen zur traditionellen Verwendung bei Verdauungs- und Leberbeschwerden sowie zur Senkung des Cholesterinspiegels gewinnt die Gelbwurz immer weiter an Bedeutung. Sie ist reich an ätherischen Ölen (bis zu 5 %, u. a. Tumeron), an 3–5 % Curcuminoiden sowie an Bitterstoffen und Harzen.

Besonders Curcumin ((1E,6E)-1,7-Bis-(4-hydroxy-3-methoxyphenyl)-hepta-1,6-dien-3,5-dion) steht im Zentrum der Tumorforschung. Sein Einfluss auf den unterdrückten Zelltod (Apoptose) von Tumorzellen macht Curcumin zum weltweit am häufigsten untersuchten Naturstoff der onkologischen Grundlagenforschung. In Fütterungsversuchen mit Labormäusen (orale Gabe von 1 % Curcuma-longa-Pulver) zeigte sich ein Rückgang der durch Benzpyren bzw. Dimethylbenzanthracen induzierten Magen- und Gebärmutterkrebsraten. Curcumin hemmt Tyrosinkinasen und zeigt antiangiogenetische Eigenschaften gegen Prostatakrebszellen.

Neuere Studien zeigen einen antitumoralen Effekt durch Hemmung der IL-8-Synthese durch Curcuminoide. Zusätzlich wirkt Curcumin entzündungshemmend (über die Hemmung der Prostaglandin- und Cyclooxygenase-Synthese) und antioxidativ. In der Neurobiochemie gibt es Hinweise, dass Curcumin den Verlauf der Alzheimer-Demenz verlangsamt: Nicht die Bildung der Eiweißplaques wird verhindert, sondern deren Auflösung beschleunigt.

In der traditionellen Naturheilkunde wird Curcumin zur Linderung dyspeptischer Beschwerden eingesetzt; es regt den Gallenfluss an (choleretische Wirkung) und stimuliert die Gallenblasenmuskulatur. Kurkuma-Extrakte entgiften – gemeinsam mit den Myrobalanen – die Leber (Schutz vor Lipidperoxidation) und senken Blutfette.

Für die Leberentgiftung sind neben Curcumin selbst die beiden Curcuminoide Monodesmethoxy-Curcumin und Bisdesmethoxy-Curcumin sowie Sesquiterpene (α-Tumeron, Zingiberen, α-Curcumen, β-Sesquiphellandren) verantwortlich. Da durch Oxidation geschädigte Erbsubstanz (DNS) als Tumorpromotor gilt, kann der Oxidationsschutz zugleich als antikanzerogene Eigenschaft verstanden werden. Die Anwendungsbreite reicht von Atemwegserkrankungen über die Behandlung von Gallen- und Nierenerkrankungen bis hin zur Krebstherapie.

Curcumin und Galactose ergänzen sich auf der Ebene der stillen Entzündung: Curcumin moduliert NF-κB und COX-2, Galactose stabilisiert die Glykokalyx und die insulinunabhängige Energieversorgung. In unserer integrierten Therapie bilden sie zusammen mit Selen, Magnesium, Zink und der Myoreflextherapie® ein Vier-Ebenen-Konzept aus muskulärer Entlastung, Stoffwechselregulation, mikronutritiver Stützung und antientzündlicher Ernährung.

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Tradition und Moderne

Die hier vorgestellten Naturstoffe – Galactose, Selen, Triphala, Reishi, Cordyceps, Heidel- und Preiselbeere, Astragalus und Curcumin – verkörpern die Multi-Target-Logik alter Erfahrungsmedizin in der Sprache moderner Glykobiologie und Forschung. Sie greifen synergistisch in Darmmilieu, Leber-Gehirn-Achse, antioxidatives Schutzorchester und Glykoprotein-Stoffwechsel ein – und ergänzen so eine Therapie, die nicht das einzelne Symptom, sondern das Zusammenspiel von Muskel, Faszie, Stoffwechsel und Nervensystem in den Mittelpunkt stellt.

Heilung beginnt im Bauch, ordnet sich im Stoffwechsel und entfaltet sich in der Muskel-Faszien-Gehirn-Achse. Die Verbindung von Glycoplan-Ernährung, Mikronährstoff-Stützung und Myoreflextherapie® ist Ausdruck dieser integralen, mehrdimensionalen Sichtweise.

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