Mosetter

Digitale Medien

 

Mit den digitalen Medien – abgeleitet vom lateinischen digitus für „Finger“ – fassen wir die Welt nur mit spitzen Fingern an. Im schlimmsten Fall wie Außer-Irdische, fern aller Herkunft. Wir Menschen aber sind körperliche Lebewesen, aus Fleisch und Blut – und immer schon in unmittelbarer Berührung und umfassender Verbindung mit der Welt!

 

Zusammenfassung: Digitale Medien trennen Lernen, Spielen und Interaktion vom Körperkontext. Sie beeinträchtigen unsere reale Leiblichkeit, unsere soziale Resonanz und die Gehirnentwicklung (besonders bei Kindern). Körperorientierte Ansätze wie Myoreflextherapie und die KiD Übungen fördern und kultivieren dialogische, leibliche Präsenz statt digitaler Tools; Ziel ist eine Rückkehr zur Interozeption, Selbstregulation und echter zwischenmenschlicher Resonanz für psychische Stabilität.

Anmerkung vorab: Unsere Kritik an den digitalen Medien versteht sich nicht als Kulturpessimismus. Es geht weder um Untergangsszenarien noch darum, digitale Technologien aus dem Alltag zu verbannen. Wir plädieren für ein differenziertes Bewusstsein: um problematische Aspekte zu erkennen und ihnen gezielt durch Ausgleichs- und Gegenangebote begegnen zu können.

 

 

Zuhause in unserem Körper und in unserer Welt!

 

Täglich gibt es Schlagzeilen und Neues: Digitale Medien haben unser Lernen, unser Arbeiten und unser Spielen tiefgreifend verändert. Wissen ist heute jederzeit verfügbar, Kommunikation ortsunabhängig und soziale Interaktion wie grenzenlos.

Was geschieht mit Lernen, wenn es sich zunehmend vom leiblichen und zwischenmenschlichen Kontext löst? Und welche Folgen hat dies für die Entwicklung sozialer Kompetenzen und psychischer Stabilität?

Und wie wirkt sich diese Entwicklung auf unser Selbst-Bild und den Umgang mit uns selbst, mit Kindern, mit Patienten aus?

 

Menschenbilder

Das phänomenologische Menschenbild sieht den Menschen als lebendiges, verkörpertes Wesen, das tief in seiner Welt verwurzelt ist. Es betont subjektive Erfahrungen, echte Begegnungen voller Empathie in der Therapie, die Einzigartigkeit jedes Individuums und die Rolle der KI nur als hilfreiches Werkzeug (nicht als Ersatz für menschliche Präsenz). Beim digitalen Lernen soll es um reflexive, erlebnisreiche Auseinandersetzungen mit Inhalten und Kontexten gehen. Medienkonsum soll als bewusste, sinnstiftende Erweiterung des eigenen Lebensraums erlernt werden.

Dagegen betrachtet das technische Menschenbild den Menschen wie ein optimierbares, Computer- oder Rechenmaschinen -ähnliches System mit Input-/Output-Verbindungen. Es vermenschlicht Rechen-Maschinen (und delegiert Intelligenz an sie) und es technisiert bzw. maschinisiert Menschen. Digitales Lernen basiert hier auf personalisierten Algorithmen und Datenpfaden, während Medienkonsum oft passiv abläuft, gesteuert von Empfehlungen und Optimierungslogik.

 

Unsere körperliche Präsenz

Aus der phänomenologischen Perspektive ist Lernen kein rein kognitiver Prozess, sondern immer schon leiblich realisiert und eingebettet. Der Mensch ist dabei mit seinem Körper – seinem „Leib“ – in einem kontinuierlichen Austausch mit seiner Umwelt und Mitwelt. Der Begriff der Zwischenleiblichkeit beschreibt, dass das Verstehen von Mitmenschen nicht primär über abstrakte mentale Repräsentationen geschieht, sondern über unmittelbare, verkörperte Resonanz. In der direkten Begegnung – im Blickkontakt, in Gestik, Mimik, Tonfall und (therapeutischer) Berührung – entsteht ein Wissen über den anderen, das weit über theoretische Inhalte hinausgeht.

 

Wider die Selbstverdinglichung und Technisierung

Ein zentrales Missverständnis unserer Zeit ist das implizite Menschenbild, das den Menschen als eine Art Maschine oder Computer begreift – als ein System, das sich berechnen, optimieren und steuern lässt.

Gerade aus Sicht einer körperorientierten Therapie wie der Myoreflextherapie, greift dieses technizistische Denken jedoch zu kurz. Auch wenn wir in der Theorie vom Bewegungsapparat sprechen, von Kraftlinien, von zentralnervösen Verschaltungen, usw.: Der Mensch ist kein informationsverarbeitendes Gerät, sondern ein leibliches, fühlendes und beziehungsfähiges Wesen.

Schmerz, Freude, Gefühle, Aufmerksamkeit sind kein bloßes Durchlaufen von Datenströmen, sondern ein Durchleben, das nur ein lebendiger Organismus realisieren kann.

Bewusstsein ist untrennbar an lebendiges Erleben gebunden: Schmerz und Spannung oder Entlastung und Entstressung sind keine bloßen Datenzustände, sondern sie werden leiblich realisiert und gelebt. Zwar sprechen wir behelfsmäßig von Bewegungsprogrammen oder von neuromuskulärer Regulation und Reorganisation: Therapeutische Arbeit bedeutet dennoch nicht, Programme zu korrigieren, sondern vielmehr mit einem lebendigen Organismus in Resonanz zu treten.

Die zunehmende Orientierung an Computer- und KI-Systemen fördert die Selbstverdinglichung und verstellt uns den Blick auf zentrale Dimensionen menschlicher Existenz: Leiblichkeit, Verletzlichkeit und Beziehung. Gute körpertherapeutische Arbeit setzt dem bewusst etwas entgegen. Sie versteht den Körper nicht als Maschine, sondern als Ausdruck eines ganzen Menschen, dessen Spannungen, Haltungen und Symptome immer auch biografisch geprägt sind.

Therapie wird so zu einem dialogischen Prozess – nicht zwischen System, Input und Output, sondern zwischen zwei leiblich anwesenden und agierenden Menschen. 

 

 

Prägende Stimmen und ihre Perspektiven

 

Als emeritierte Neurobiologin der Universität Bielefeld, kritisiert Gertraud Teuchert-Noodt digitale Medien vor allem wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung (insbesondere bei Kindern und Jugendlichen).

Seit 30 Jahren beschäftigt sie sich mit der Auswirkung von digitalen Medien auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns. Und seit bestimmt 20 Jahren teilen wir konzeptionelle Ansätze und bereichern uns gegenseitig.

Digitale Geräte wie Smartphones und Tablets verursachen eine digitale Zwangsjacke, die kognitive Überforderung und Reizüberflutung im limbischen System auslöst, Suchtmechanismen aktiviert und auf Dauer die Intelligenz mindern kann. Besonders alarmierend: Bereits frühe Nutzung führt irreversibel zu Entwicklungsstörungen in Sprache, Kognition und sozialem Verhalten.

Digitale Medien stören dabei die natürliche Reifung des Stirnhirns (Präfrontalkortex), das für analytisches Denken, Planen und kritisches Urteilen essenziell ist. Das Fehlen von realen, nicht-virtuellen raumzeitlichen Sinneserfahrungen und von Bewegung verhindert die Bildung neuronaler Funktionsmodule, was später nur schwer nachholbar ist und zu Lernschwächen, Motivationsproblemen oder Depressionen führt.

Auch die Formulierung Cyberattacke auf die Nervennetze des Gehirns des Kindes stammt von Gertraud Teuchert-Noodt: Diese Attacke führt dazu, dass sich das Gehirn anders entwickelt als vorgesehen. Die emotionale kognitive Reifung wird beeinträchtigt, es wird eine Suchtschleife aktiviert mit einer Belohnungsschleife; und die langsame Dopaminausschüttung für Lernen, Gedächtnis, Konfliktdetektor und für soziales Gehirn geht verloren.

Eine Art Notreifung führt dazu, dass Verhaltensauffälligkeiten entstehen; und so erklärt sich, dass eine Reihe von Syndromen wie Angsterkrankungen, Depression, Aufmerksamkeits Störungen, emotionaler Distress unmittelbar mit dieser Situation zusammenhängen.

Eine natürliche, physiologisch kindliche und neurobiologische Entwicklung geht verloren. Das Hormonsystem, die Knochen und die Muskulatur leiden in ihrer Entwicklung

Bis zu acht Stunden Medienkonsum pro Tag sind ver-rückt. Gleichzeitig gibt es Schutzsysteme: Bewegung, Training, Körperlichkeit, Fitnesstraining, Schlaf, Spiele, Musizieren, Ballspiele, Schauspiel und Tanz sind Maßnahmen, die die langsame Dopaminausschüttung befahren und das Stirnhirn zur stabilen Reifung bringen. Zudem: Alles was entstresst für einen guten Schlaf, alles was entstresst – auch körperliche Behandlung, Osteopathie, Manualtherapie, Physiotherapie, Akupunktur, Myoreflextherapie, sind ideale Maßnahmen, Kinder und Jugendliche wieder in ihre körperliche Realität, zu ihrer körperlichen Präsenz und zu ihrem Körperbewusstsein, dem Sinn von sich selbst (der Interozeption) zurückzubringen.

 

Auch Sabine Kubesch und ihr Institut (der BildungPlus Verlag) betonen in ihren Fortbildungen und Materialien die grundlegende Bedeutung und Wichtigkeit von Sport, Bewegung und echter Ruhe gegenüber Medienkonsum. Multitasking und Reizüberflutung beeinträchtigen die Selbstregulation, Aufmerksamkeit und Affekttoleranz.

Digitale Medien sind ein potenzieller Störfaktor für die Gehirnentwicklung. Eine Reduktion digitalen Konsums kann helfen, Konzentration und Lernfähigkeit zu verbessern. Lernen ist als ein selbstregulierter Prozess zu fördern, der durch (auch körperliche) Anstrengungsbereitschaft, Resilienz und Reflexion gestärkt wird, statt durch digitale Hilfsmittel

Auch KiD – Kraft in der Dehnung ist hier zentrales Konzept: „Die Drei aus Hirnschmalz“ kombinieren Bewegung, KiD und gezielte Ernährung (Glycoplan), um ihre Energie, Aufmerksamkeit und Lernleistung zu steigern.

 

Erfolgreiches, sinnvolles Lernen braucht auch nach Manfred Spitzer (einem Lehrer von Sabine Kubesch) emotionale Sicherheit, Beziehungen, echte Bewegung und haptische Erfahrungen – nicht digitale Hilfsmittel, die kognitive Tätigkeiten auslagern. Er plädiert für Spaß am Lernen durch echte Interaktion und basale Fähigkeiten wie Selbstregulation.

Der Begriff „Digitale Demenz“ soll dabei den schädlichen Einfluss exzessiver digitaler Mediennutzung auf das Gehirn beschreiben: Damit ist kein echter Demenzzustand wie in der Geriatrie gemeint, sondern ein Prozess des geistigen Abbaus: Intensive Nutzung von Smartphones, Computern und Internet lagert kognitive Funktionen aus, schwächt Gedächtnis, Konzentration und Aufmerksamkeit und führt zu emotionaler Abstumpfung. Besonders Kinder und Jugendliche erreichen so nicht ihr volles Intelligenzpotenzial; Erwachsene altern kognitiv vorzeitig.

 

Digitale Medien zählen mittlerweile mit zu den weit verbreiteten Suchtformen, insbesondere bei Jugendlichen. Die Schöpflin Stiftung / Villa Schöpflin – Zentrum für Suchtprävention listet bei ihren Präventions- und Hilfsprojekten folgende zentrale Suchtarten auf, die vor allem Kinder und Jugendliche betreffen: Alkohol, Cannabis, Digitale Medien, Tabak und Glücksspiel.

 

Und eine weitere wichtige Stimme: Thomas Fuchs ist ein führender Experte für phänomenologische Psychiatrie und hat die Karl-Jaspers-Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg inne.

In vielen Büchern und Aufsätzen betont er in diesem Zusammenhang die zentrale Rolle non-verbaler Kommunikation. Sie bildet die Grundlage für soziale Koordination, Empathie und das intuitive Erfassen von Situationen. Lernen ist demnach immer auch ein sozialer Prozess, der auf dieser vor-reflexiven Ebene stattfindet. Digitale Lernumgebungen reduzieren jedoch genau diese Dimensionen: Körpersprache wird ausgeblendet, Resonanzräume werden flacher, und Interaktion wird stärker verkopft (kognitivisiert, intellektualisiert).

Dies hat Konsequenzen für das, was Fuchs als „common sense“ beschreibt – ein geteiltes, verkörpertes Weltverständnis, das nicht explizit gelernt, sondern in sozialen Praktiken erworben wird. Auf der anderen Seite steht die sog. „Theory of Mind“; sie beschreibt soziale Kognition als eine Art intellektuelles Zuschreiben von mentalen Zuständen. Aber: Es sind Menschen mit autistischen Einschränkungen, die auf diese Weise ihr Gegenüber theoretisch erschließen müssen, denn ihnen fehlt die Möglichkeit unmittelbarer Resonanz.

Digitale Kommunikation verschiebt unser natürliches Gleichgewicht: Wenn soziale Interaktion vor allem über Texte, Emojis oder kurze Videoausschnitte vermittelt wird, verschiebt sie sich hin zu einem interpretativen, theoretischen und virtuellen Akt. Sie bekommt autistische Züge.

Das unmittelbare Mitschwingen mit dem Gegenüber tritt dann in den Hintergrund. Dies kann – in abgeschwächter Form – zu Phänomenen führen, die aus der Psychopathologie bekannt sind: eine Entfremdung vom gemeinsamen Bedeutungsraum, Unsicherheiten im sozialen Verstehen und ein Rückzug in stärker kognitiv kontrollierte Interaktionsformen. – Alles Probleme, wie wir sie im Praxisalltag so oft antreffen.

Mit Fuchs verstehen wir Menschen phänomenologisch als Leib-Raum-Person, in der das Selbst in einem verkörpertem, leiblichen, in der Welt stehenden Raum existiert, der durch Feldkräfte – Anziehung, Widerstand, Schwere, Enge und Weite strukturiert ist.

Dinge, andere Menschen, sprachliche Regeln, Normen oder emotionale Reaktionen anderer widerstehen uns und reflektieren uns zurück; sie bilden Widerlager, gegen die wir uns abgrenzen, von denen wir uns unterscheiden und an denen wir gleichsam uns aufspüren können. Ohne solche Widerlager wird Subjektivität entweder diffus und nebulös oder sie kippt in ein dinghaftes, mechanistisches, fast katatones Verhalten. Man verliert sich und wird so auch seelisch krank.

Der Körper spürt sich selbst vor allem am Widerstand – wenn er gegen die Schwerkraft arbeitet, Gegenstände greift und bewegt oder wenn Hände sich begegnen und wechselseitig ertasten.

Nach dieser Logik nutzt die Myoreflextherapie den therapeutischen Druck auf Muskelpunkte als taktile, körperliche Spürhilfe, die neuromuskuläre Dysbalancen spürbar macht und den Patienten zu einer bewussten Propriozeption führt. Dieser Widerstand durch den palpierenden Finger des Therapeuten dient als ein Widerlager, das gestörte Bewegungsmuster oder Trauma-Schemata (z. B. unvollendete Schutzhandlungen) aber auch ein sich verlierende Körperlichkeit (wieder) greifbar werden lässt.

 

Auch Joachim Bauer betont die Notwendigkeit analoger Präsenz: Reale zwischenmenschliche Resonanz ist essenziell für psychische Gesundheit, Selbstentwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Analoge, Begegnungen können nicht simuliert oder virtuelle ersetzt werden. Digitale Welten führen zu einem „Realitätsverlust“; sie labilisieren das Ich und fördern Abhängigkeit, Einsamkeit, emotionale Instabilität, Depression u.v.m.

 

Genannt sei hier zudem das Konzept „Grounded Cognition“. Dieser Theorie der verankerten, verkörperten Kognition geht es darum, wie mentale Leistungen durch den Körper geformt und realisiert werden. Begründet von dem US‑amerikanischen Psychologen Lawrence W. Barsalou sagt auch diese Theorie, dass menschliches Denken nicht als abstrakte Symbolverarbeitung im Kopf, sondern als „geerdet“ in sensorischen, motorischen und emotionalen Systemen zu verstehen.

 

Schließlich: Jonathan Haidt (US-amerikanischer Sozialpsychologe, New York University Stern School of Business) analysiert den dramatischen Anstieg von Angststörungen, Depressionen und Suizidalität bei der Generation Z seit den frühen 2010er Jahren. Er führt dies auf den „Great Rewiring“ zurück: den Übergang von einer spielbasierten zu einer smartphone-dominierten Kindheit.

Das Buch „Generation Angst“ beschreibt sehr eindrücklich die psychischen Folgen dieser Entwicklung. Insbesondere bei Jugendlichen zeigt sich ein Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und steigenden Raten von Angststörungen, Depression und sozialer Unsicherheit.

Soziale Medien erzeugen eine paradoxe Situation: permanente Vernetzung bei gleichzeitiger Verarmung der zwischenleiblichen Erfahrung. Beziehungen werden sichtbar, aber weniger spürbar:

Online‑Interaktionen sind im Unterschied zu Begegnungen im echten Leben entkörperlicht sind: Man nutzt kaum Mimik, Gestik, Körpernähe oder gemeinsame körperliche Ko-Präsenz; diese Signale fehlen in textbasierten Chats, Kommentaren und Social Media fast vollständig. Wenn diese körperliche Dimension wegfällt, lernen Kinder soziale und emotionale Kompetenzen schlechter. Empathie, Feinabstimmung in Gesprächen (Timing, Tonfall) und das Erlernen sozialer Regeln gelingen nicht mehr.

Wichtig ist vor allem von Kindern selbst organisiertes Spielen – so wie früher: draußen, mit echter, realer Aktivität (Rennen, Klettern, Raufen, Fahrradfahren). Körperliches, auch riskanteres Spiel (raufen, balancieren, „gefährlich“ klettern) sind notwendig, damit Kinder lernen, ihren Körper einzuschätzen, Schmerzen und Angst auszuhalten und dadurch emotional widerstandsfähiger zu werden. Wenn Kindheit in den digitalen Raum verlagert wird, sinken Bewegung, körperliche Risiken und sensorische Erfahrungen; das schwächt die natürliche Entwicklung von Selbstregulation, Mut und sozialer Kompetenz.

Auch die Auswirkungen von Smartphones und Social Media auf den Schlaf, Hormone und körperliche Gesundheit sind gravierend: Jugendliche mit intensiver Smartphonenutzung schlafen weniger, gehen später ins Bett und wachen öfter auf. Hormonelle Prozesse in der Pubertät werden gestört, es entwickeln sich Gewichtszunahme, erhöhte Stressreaktionen und ein höheres Risiko für psychische Störungen.

Hinzu kommt, dass soziale Medien die Aufmerksamkeit fragmentieren und emotionalisieren. Lernen, das eigentlich Zeit, Langsamkeit, Vertiefung und Verkörperung erfordert, wird in kurze, oft oberflächliche Reize zerlegt.

 

 

Körper-orientiert

 

Vor diesem Hintergrund gewinnen körperorientierte therapeutische Ansätze eine neue Bedeutung. Verfahren wie die Myoreflextherapie oder KiD („Kraft in der Dehnung“) setzen gezielt an der leiblichen Selbstregulation i.S. der angesprochenen „Spürhilfe“ an.

Wir gehen davon aus, dass psychische Stabilität und soziale Offenheit eng mit dem körperlichen Spannungszustand verknüpft sind. Durch gezielte Reize und Dehnungen wird das neuromuskuläre System reguliert, was sich wiederum auf das emotionale Erleben und die Interaktionsfähigkeit auswirkt.

Prävention und Therapie beginnen für uns dort, wo wir den Menschen wieder in seine körperliche Selbstwahrnehmung zurückführen.

Wir plädieren für bewusste Pausen, rhythmisierte und begrenzte Bildschirmzeiten und für eine Stärkung der Fähigkeit, Spannungszustände frühzeitig wahrzunehmen und zu regulieren.

Therapeutisches Ziel muss es sein, die Selbstregulation zu verbessern, Abhängigkeitstendenzen so zu reduzieren und die Rückbindung an den eigenen Körper und an reale, zwischenleibliche Begegnungen (wieder) zu eröffnen. Lernen und Spielen erfordern nicht nur Bildschirm-Aktivierung, sondern auch eine Regulation von (Selbst)Aufmerksamkeit und körperliche Präsenz.

 

 

Quellen, Literatur, Websites:

 

Kurt Mosetter & Reiner Mosetter:

> (Selbst)Beziehungen der Körperlichkeit

> Der Körper-in-seiner-Umwelt

> Rücken & Seele

> Der Körper als Bühne und szenische Macht

> Neuromuskuläre Traumatherapie

> Das überforderte Kind

 

Gertraud Teuchert-Noodt:

> Zur Digitalisierung des Lernens

> Mehr Sandkasten und weniger Smartphone

> Digitale Medien am Arbeitsplatz

> Cyberattacke

> Die digitale Revolution

 

Sabine Kubesch:

> Institut und Verlag BILDUNGplus

> Wer knackt den Mandelkern?

 

Manfred Spitzer:

> Digitale Demenz

 

Schöpflin Stiftung 

> Villa Schöpflin

 

Thomas Fuchs:

> Verteidigung des Menschen
.

> Verkörperte Gefühle

 

Joachim Bauer:

> Realitätsverlust

> Website

 

Lawrence W. Barsalou:

> Geerdetes Bewusstsein

 

Jonathan Haidt:

> Generation Angst

> auf Wikipedia

 

 

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